
"soft collapse" - das Paradies ist porös...
Skulptur
Anna Mrzyglod
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Malerei
Anja Kreitz, Silvia Szlapka ​
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19.04. / 26.04. und 03.05.2026
12 Uhr Künstlerinnengespräch und geführte Kunstbetrachtung
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Zwischen Leichtigkeit und leiser Bedrohung entfaltet sich in der Ausstellung soft collapse ein Spannungsraum, der zugleich vertraut und verstörend wirkt.
Meist großformatige Ölgemälde der Künstlerinnen Kreitz, Szlapka und Lees zeigen Szenen und Sujets eines scheinbar unbeschwerten Lebens:
Momente von Schönheit, Ruhe und sinnlicher Fülle.
Sie erzählen von einem Zustand, den wir als „intakt“ wahrnehmen möchten – als etwas, das Bestand hat.
Doch diesem Bild des Angenehmen wird in der Ausstellung jeweils eine Skulptur der Künstlerin Mrzyglod gegenübergestellt. Diese Objekte wirken zunächst harmlos, fast beiläufig, und doch erzählen sie von kleinen, präzisen Katastrophen: ein vom Sturm zerfetzter Regenschirm, ein Schwimmtier, dem unaufhaltsam die Luft entweicht...
Selbst vertraute Figuren verlieren ihre Form – nicht abrupt, sondern leise, fast unmerklich.
In dieser Gegenüberstellung entsteht ein Zustand des „Dazwischen“: Noch ist alles schön, noch scheint alles stabil – und doch hat der Zerfall bereits eingesetzt. Es ist kein plötzlicher Bruch, sondern ein schleichendes Nachgeben, ein weiches Kollabieren.
soft collapse spiegelt damit ein gegenwärtiges Empfinden. Angesichts einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit und beunruhigenden Nachrichten geprägt ist, schiebt sich ein diffuses Unbehagen in selbst die idyllischsten Bilder. Das Paradies wirkt nicht zerstört – aber fragil. Die Gewissheit seines Fortbestehens ist ins Wanken geraten.
Die Ausstellung lädt dazu ein, genau diesen Moment zu betrachten: den Augenblick, in dem Schönheit noch sichtbar ist, während ihr Verschwinden bereits eingesetzthat.

Skulptur aus Vollholz (Pappel) A. Mrzyglod
immer sonntags von 11 - 16 Uhr

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Anna Mrzyglod absolvierte die traditionelle Bildhauerschule in Zakopane und studierte an der Schlesischen Universität an der Fakultät für Bildhauerei.
Lange Zeit spiegelten Annas Werke ihre Herkunft wider, die Verbindung zwischen der natürlichen Umgebung und ihrer eigenen Erfahrung.
Sie spielte mit der illusionistischen Transformation des Materials und suchte nach einem Diskurs über ihre eigene Identität, Erinnerungen oder Veränderungsprozesse, die in ihrem Leben stattfanden. Durch die Spuren der Zeit entdeckt sie ganz bewusst den farbenfrohen Ausdruck von Emotionen und die Oberfläche des Holzes wird zur Leinwand.
Ihre präzise, fließende Handwerkskunst in Verbindung mit dem Experimentieren mit Farben, führt zu einer Verschmelzung von Tradition und Moderne, die sich immer wieder ablöst, um dann in neuer Ausdruckskraft zu explodieren.
Die Skulpturen von Anna Mrzyglod sind auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.
"...früher malte ich eher informell mit organischen Formen und abstrakt figürlichen Motiven.
Aber das Thema Mensch begleitete mich von Anfang an.
Beeinflusst haben mich Künstler, wie Edward B. Gordon, Xenia Hausner, Andrew Salgado, Nathan Terborg, Anselm Kiefer…
Warum male ich hauptsächlich Menschen?
Menschen sind reizvoll zu beobachten.
Es ist faszinierend, wie ähnlich wir in der Körpersprache und Gestik sind.
Wir können uns in vielen Situationen in andere Personen hineinversetzen.
Wir wissen, wie es sich wohl anfühlt, wenn man an einer Haltestelle wartet und von dem einen auf das andere Standbein wechselt.
Aber auch in den Gesten können wir schon von weitem erahnen, ob es sich um
ein ruhiges Gespräch oder eine intensive Diskussion handelt.
Es sind die kleinen nachempfindbaren Situationen, die so inspirierend sind.
Manchmal ist es auch nur ein Paar auffälliger Schuhe,
dass mich aufmerksam werden lässt;
ein Kleid, das im Wind aufweht oder das Sonnenlicht, welches aus einer Seitenstraße auf die Beine einer vor mir hergehenden Person fällt.
So entstehen dann auch die ungewöhnlichen Bildausschnitte und Perspektiven. Sonnenlicht spielt eine große Rolle in meinen Arbeiten.
Es lässt die Farben leuchten!
Zusammenfassend könnte man meine Motive als
In Licht getauchte Alltagsszenen
bezeichnen."


Die aktuellen Werke von Anja Kreitz
basieren auf der Überlegung, die Romantik angesichts einer unsicheren Weltlage als Gegengewicht darzustellen.
Als eine Art Haltepunkt im Leben wird der Fokus auf die Schönheit
in der Natur in Form von Blumen und Pflanzen und die Abbildung moderner Heldenfiguren gelegt.
Die bewusste Konkurrenz und Gegenüberstellung von einem früheren goldenen Zeitalter zur Gegenwart wird mit unterschiedlichen Elementen kombiniert.
