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Anja Kreitz
"Am Anfang steht immer eine Idee, zunächst schemenhaft, dann in vielen gedanklichen Variationen, bevor ich in die grobe Skizzenphase eintauche.
Dort werden zunächst formenhafte Platzhalter für Figuren, Symbole und Bewegungsabläufe mit dem Bleistift festgehalten. Es ist im Grunde der Bleistift, der es schafft, Figuren und bildhafte Geschichten zu komponieren und zum Leben zu erwecken.
Teilweise träume ich eine Geschichte und habe es mir angewöhnt, diese nächtlichen Geschenke direkt aufzuzeichnen, denn wenn ich bis zum nächsten Morgen warte, sind die Gedanken am nächsten Morgen wie ausradiert.
Jedes Bild besteht aus einer Unmenge von Skizzen.
Ganzfigurige Studien, Details wie Hände, Fußstellungen und Gesichtsausdrücke werden in vielen Zeichnungen festgehalten. Was in dieser Phase für mich wichtig ist, ist die ungeschönte Linie. Das was der Bleistift schafft, wird in die Malerei übertragen.
Jede Figur, jeder Affe, der Kronleuchter und auch die Wassermelonen haben als Vorbild ein echtes Modell. Die Figuren werden immer nur jeweils von einem Modell dargestellt. So gibt es in diesem Beispielbild die Figur der Ariadne, den Batman als Superhelden, die kleine Tänzerin und auch alle Affen im echten Leben, von mir in Pose gesetzt und gezeichnet. Sobald die Komposition steht, wird die Leinwand von mir gebaut und grundiert. Zu Studienzeiten habe ich dafür Hasenleim gekocht aber mittlerweile habe ich mich selber davon überzeugen können, dass es auch einfacher mit gekauften Mitteln und den gleichen Ergebnissen geht.
Die von mir angestrebte altmeisterliche Technik verwende ich nun in der Farbenerstellung und der Malerei als solches. Sobald die Skizze auf die Leinwand übertragen wurde, beginnt nun endlich der Malprozess. Mit der sogenannten Grisaille-Technik werden Höhen und Schatten angelegt und mit Eitempera-Ölfarbe die erste Schicht aufgetragen.
Wie meine großen Vorbilder in der Malerei (wie Tizian, Velasquez und Vermeer) male ich nach dem Prinzip „fett auf mager“. Das bedeutet, dass jede Schicht etwas mehr Pigment enthält und dafür jeweils eine andere Art der Aufbereitung bedarf. Die unterschiedlichen Malmittel sind teils liquide und teils fester, so dass auf der Oberfläche der Leinwand eine unterschiedliche Erhabenheit und Glanzflächen entstehen. Dieser Prozess dauert unterschiedlich lange und die Anzahl der einzelnen Farbschichten variiert zwischen 25 und 35.
Wenn die Farbschichten bereits verdichtend angelegt sind, entscheide ich, welchen Hintergrund das Bild bekommen soll. Da ich ein großer Fan der niederländischen Stil malerei bin, lasse ich die Farben gerne mit einem strahlendem Schwarz mehr leuchten. Wenn ich eine Ikone darstelle, greife ich oft zum Material Schlagmetall für eine sublime Andeutung. Die Ähnlichkeit mit Blattgold ist bewusst gewählt und nur durch die kühlere Farbgebung des Schlagmetalls ausschlaggebend gewesen. Hier lege ich das Material nicht wie eine durchgehende Fläche an, sondern wähle eine rauhere und bewegte Oberfläche um das Sujet lebendiger zu gestalten. Zumeist wähle ich als Farbton das Mittelgold, bei dem Werk „The Big Stage“ habe ich zum ersten Mal mit einem kupferfarbenen Ton des Schlagmetalls gemischt.
Durch die unterschiedliche Anmutung der Farbhaptik und des Schlagmetalls entsteht etwas, was ich weder planen noch kontrollieren kann. Je nach Tageszeit, Sonneneinstrahlung und die Position des Betrachters wirkt das Bild immer anders. Den Gedanken, dass der Rezipient somit ein Teil des Bildes wird, finde ich besonders schön."

The Big Stage
Öl und Schlagmetall auf Leinwand
110 x 110 cm
verkauft

La Dame au Caramel
Öl und Schlagmetall auf Leinwand
62 cm Durchmesser

ALL INN 2026
Öl und Schlagmetall auf Leinwand
200 x 200 cm
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